umsicht - einige Leitgedanken

Der Duden beschreibt „Umsicht“ als „kluges, zielbewusstes Beachten aller wichtigen Umstände; Besonnenheit“. Dies impliziert einen hohen Anspruch, vor allem im Umfeld der Sozialen Arbeit, in denen die Umstände komplex und manchmal auch widerstreitend sind. Wenn dann noch verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Bedürfnissen und Interessen unter diesen Umständen miteinander agieren und arbeiten, ist es nicht immer leicht, umsichtig oder gar besonnen zu sein. Da geht schon einmal der Überblick verloren, da wird sich schon mal verstrickt und verheddert und gesteckten Zielen hinterher gelaufen, da fällt schonmal ein Wort, was lieber unausgesprochen geblieben wäre.

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der es auf Erfolge ankommt – Misserfolge, Fehler, Scheitern, Niederlagen: all das  gilt es eher zu vermeiden. Dies schafft vor allem im beruflichen Kontext ein Klima, in dem MitarbeiterInnen der Erwartungshaltung ausgesetzt sind, stets leistungsfähig zu sein und den – meist steigenden – Anforderungen zu genügen. Natürlich müssen auch Organisation der Wohlfahrt  über Erfolge und erreichte Ziele ausweisen – wenn auch anders gelagert als in profit-Organisationen. Umsichtig wäre es, so der Ansatz meiner workshops, sowohl aus dem zu lernen, was gut läuft und gelingt, als auch aus dem, was weniger rund läuft und wo Fehler gemacht werden.

 

"fehler machen ist ein beweis von versuchen" (unbekannt)

 

Gerade Fehler bieten Lernpotenzial – vorausgesetzt, man weiß sie zu reflektieren. Umgekehrt hat der Mensch aber auch ein ureigenes Bedürfnis nach Anerkennung, d.h. MitarbeiterInnen möchten in ihren Fähigkeiten und Neigungen gesehen und gewertschätzt werden. Hier kann sich jede Organisation selbst befragen, ob und wie ausgeprägt sie eine Anerkennungskultur pflegt.

 „Umsicht“ beinhaltet auch „sehen“ - und damit einen zentralen Aspekt der Selbstreflexion: auf uns selbst zu sehen, uns mit unseren Bedürfnissen, Motiven, Wünschen, mit den liebenswerten und weniger geliebten Anteilen wahrzunehmen und anzuerkennen, all das ist die Voraussetzung für Entwicklung. Um diese Selbstschau – und damit die reflexive Distanz zu unserem Handeln – zu gewährleisten, müssen wir in der Lage sein, immer wieder einen Schritt von uns weg gehen zu können. 

Selbstachtsamkeit als auch Selbstreflexion sind Kompetenzen, die gezielt trainiert und gestärkt werden wollen. Gerade die nicht operationalisierbaren und hoch (inter-) subjektivierten Themendimensionen, die in meinen workshops aufgegriffen werden, erfordern neben Sachkompetenzen vor allem das Einnehmen förderlicher Grundhaltungen. Dies wiederum gelingt nur in einem kontinuierlichen Aneignungsprozess - denn Haltungen können nicht über Argumente und Wissen vermittelt werden, sie sind nur dann wirksam, wenn sie auf internalisierten Überzeugungen gründen.

 

Sie sind sich natürlich der hohen Verantwortung für die Menschen, die Sie mit Ihrer Organisation begleiten und betreuen, bewusst und tragen dieser u.a. durch die Weiterqualifizierung Ihrer MitarbeiterInnen Rechnung. Ich möchte Ihnen noch zwei weniger auf der Hand liegende Anlässe anführen, die ich mit den Themen meiner workshops aufgreife:

 

Selbstachtsamkeit, Selbstreflexion, Kommunikations- und Beziehungskompetenz kennen keine Endpunkte - sie beschreiben allesamt einen Prozess, bei dem sich jede/r von uns auf unterschiedlichen Abschnitten eines Weges befindet. Es ist daher evident, dass Beziehungs- und Reflexionsqualität nicht nach objektiv festgelegten Kriterien messbar ist - die Fachkraft selbst ist ihr wichtigstes Arbeits- als auch Messinstrument. Die Fähigkeit der Selbststeuerung wird jedoch nicht im beruflichen Alltag allein entwickelt, ihr Erwerb bedarf zusätzlich ausgewiesener Lernräume.

 

Gerade Beziehungs- und Kommunikationskompetenzen werden in sozialen Berufen lediglich vorausgesetzt, nach dem Motto "Wer sich für den Beruf entscheidet, wird sich schon dafür eignen". Beziehung und Kommunikation finden zudem überall im Berufsalltag statt und werden als so selbstläufig wahrgenommen, dass die dafür nötigen Kompetenzen aus dem Blick geraten. Dabei ist die Fähigkeit, Beziehungen und Kommunikationsprozesse hilfreich, zielführend und für die Beteiligten zufriedenstellend zu gestalten, äußerst voraussetzungs- und anspruchsvoll und sollte Inhalt von Weiterqualifizierungseinheiten sein.

 

Ihnen fällt sicher auf, dass alle workshop-Themen untrennbar miteinander verwoben sind: Ohne die Fähigkeit, verständlich und wertschätzend zu kommunizieren, können Beziehungen nicht gelingen. Ohne gute Zusammenarbeit im Team fehlt ein stützendes Gerüst zur erfolgreichen Bewältigung beruflicher Herausforderungen. Ausbrennen und Erschöpfung droht, wenn es an hilfreichen Beziehungen mangelt, wenn eigene Bedürfnisse und Ansprüche nicht ausreichend reflektiert werden. Achtsamkeit für sich selbst sensibilisiert für die Bedürfnisse des Anderen und stärkt die Empathie. So ließen sich derlei Querverbindungen und Synergieeffekte noch viele auffinden.