selbstreflexion und selbstachtsamkeit

 

Die Praxis Sozialer Arbeit ist ungenügend zu operationalisieren und kaum zu standardisieren. Ihre Ziele sind im Globalen idealtypisch (Erreichen von sozialer Gerechtigkeit, Gleichheit, Teilhabe etc.), im konkreten Fall weich formuliert und kränkeln immer an ihrer Beweglichkeit. Fachkräfte gehen naturgemäß eher kasuistisch als regelgeleitet vor. 

Da die Arbeit der Fachkräfte so wenig messbar und fachliche Kontrolle kaum durchführbar ist, verfügen Fachkräfte zwar über große Handlungsspielräume; ihr Selbstvergewisserungsbedarf bleibt aber ebenso hoch wie wie unbeantwortet: es fehlt ihr schlicht an faktischer Vergleichbarkeit. Das entbindet sie freilich nicht von dem ständigem Entscheidung-, Begründungs- und Handlungszwang, dem sie in der Praxis ausgesetzt ist. Hier wird deutlich, wie unerlässlich das systematische und methodengeleitete Hinterfragen der eigenen Arbeit – und untrennbar verbunden damit der eigenen Person – ist. Selbstreflexion übernimmt die Steuerungsfunktion, die die Profession an sich nicht anzubieten hat.

 

"die gewohnheit des denkens sagt nichts über dessen richtigkeit aus" (thorwald detlefsen)

 

Um uns selbst und unser Handeln besser zu verstehen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Selbstreflexion. Wir widmen uns  workshop z.B. unserem Selbstkonzept, also unserer Vorstellung von uns selbst. Dabei können wir zwischen dem öffentlichen und privaten, dem realen und idealen Selbstkonzept unterscheiden. Wenn unser Selbstkonzept aus irgendeinem Anlass ins Wanken gerät

 – eine kritische Rückmeldung, eine Kränkung o.ä. – reagieren wir darauf mit selbsterhaltenden Maßnahmen, z.B. mit der Flucht nach vorne oder mit Rückzug. Im workshop schauen wir uns unsere typischen Reaktionen, inneren Antreiber und Lernpotenziale genauer an. Um unsere automatischen Reaktionsmuster mehr und mehr in bewusste Reflexion umzuwandeln und umsichtiger zu denken und zu reagieren, schulen wir unsere Selbstachtsamkeit. Wenn ich von mir und der Wirkmächtigkeit meiner Handlungen überzeugt bin (Selbstwirksamkeit), verhilft mir dies zu einer verbesserten Selbstdarstellung im beruflichen Alltag und einer höheren Zuschreibung von Fachkompetenz durch die beteiligten Akteure. Als gute Bedingungen für entwicklungsförderliche Selbstreflexion gelten:

  • Anknüpfen an vorhandene Stärken, Aktivierung verborgener Ressourcen
  • Offenheit, Mut, aktives Auseinandersetzen
  • (Methodische) Selbstreflexionskompetenz, kontinuierliche Reflexionspraxis
  • Verbalisierungs- und Kommunikationskompetenz
  • (Stärkung der) Selbstaufmerksamkeit/ -achtsamkeit
  • Empathie, Mitfühlen, Sensibilität – für das Gegenüber und für sich selbst
  • Klärung und Berücksichtigung der Zusammenhänge (integral, systemisch)
  • Förderliches Umfeld/Reflexionskultur: Bereitstellen zeitlicher Inseln, reflektierende Modelle sind Vorbilder und wirken motivierend

"erst wenn ich weiß, was ich mache, kann ich tun, was ich will" (moshe feldenkrais)

 

An so manchen Arbeitstagen hetzen wir von Termin zu Termin, bemüht, den Ansprüchen der Beteiligten nachzukommen. Unvorhergesehene Umstände sabotieren zurechtgelegte Strukturen, bspw. ereignet sich eine Krise, die wir ad hoc begleiten müssen, oder die KlientInnen/AdressatInnen kooperieren nicht so, wie wir es uns wünschen. Aber auch die konkrete Beziehungsgestaltung zum/zur KlientIn fordert eine große Offenheit von uns und birgt stets die Gefahr, sich von den Gefühlen der/des KlientIn zu sehr vereinnahmen zu lassen. "Das Außen" des sozialarbeiterischen Alltags verlangt uns also große Aufmerksamkeit ab, da geht der Kontakt "zum Innen" schonmal verloren: wir fühlen uns erst angespannt, dann getrieben, wie ein Spielball den äußeren Umständen ausgesetzt. Je mehr Flexibilität und Belastbakeit unser Beruf uns abverlangt und je unaufmerksamer wir uns selbst gegenüber sind, desto erschöpfter, ent-mächtigter und uneffektiver werden wir. Selbstachtsamkeit soll dem entgegenwirken. Wenn der Wind rau ist, helfen starke Wurzeln. Mit der Sensibilisierung für uns selbst, dem Wunsch nach Innenschau und selbstachtsamen Übungen stärken wir unsere Wurzeln und zugleich unsere Abwehrkraft. Je mehr wir in unserer Mitte sind, je mehr spüren wir unsere Handlungsmacht, je mehr wird uns klar, dass wir es sind, die die Verantwortung für uns tragen.

 

Nicht nur physisch geht uns manchmal der Kontakt zu uns verloren, sondern auch zeitlich. Wir grübeln über Vergangenes, im beruflichen Kontext fokussieren wir uns auf Zukünftiges. Der gegenwärtige Moment, die Verankerung im "Hier und Jetzt", bekommt dann nicht die Aufmerksamkeit, die er verdient.

 

All diesen Phänomenen gehen wir im workshop auf die Spur. Wir schauen - ganz individuell, jede/r für sich - wie wir in Kontakt mit uns bleiben, uns selbst unserer Befindlichkeit vergewissern, uns spüren und vor allem, wie wir dies im beruflichen Alltag verwirklichen können.

 

Hier habe ich für Sie einige Reflexionsfragen zur Selbstachtsamkeit zum Download bereitgestellt. Diese können Sie auch in Vorbereitung auf den workshop nutzen.

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Fragen Selbstachtsamkeit.pdf
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